Sommelier-Campus 2025
Die Mitgliederversammlung der Sommelier-Union Deutschland bildete den Auftakt. Zunächst wurden die Teilnehmenden von einer prickelnden Franciacorta Degustationsbar empfangen, bevor es an die Arbeit ging. In kollegialer und lösungsorientierter Atmosphäre wurde der Vorstand einstimmig entlastet – ein starkes Signal des Vertrauens und der Unterstützung. Neu gewählt wurden Ulrich Heiser und Otto Völker als Rechnungsprüfer – beide erfahren, engagiert und bereit, Verantwortung zu übernehmen. Thematisch im Fokus stand zudem die finanzielle Zukunftsfähigkeit des Vereins. Mit großer Zustimmung beschlossen die Mitglieder eine moderate Beitragserhöhung ab dem Jahr 2026. Der ermäßigte Tarif für Auszubildende und Studierende bleibt dabei erfreulicherweise unangetastet – ein wichtiges Zeichen für die Nachwuchsförderung.



Am Abend verlagerte sich das Geschehen an das Ufer der Spree – in die Hafenküche Berlin, wo Gastgeber Mathias Brandweiner und Küchenchef Frederik Grieb mit Charme, Kompetenz und Geschmack begeisterten. Nach einem prickelnden Auftakt mit Laurent Perrier Champagner und einer der wohl besten Currywürste der Hauptstadt, ging es mit einem sommerlichen BBQ auf der Terrasse weiter – unter freiem Himmel, mit Blick auf das Wasser und begleitet von zwei hervorragend bestückten Weinbars. Kuratiert wurden diese von Maxime Herkunft Rheinhessen. Die Weine überzeugten mit souveräner Handschrift und sensorischer Tiefe.



Yvonne Heistermann eröffnete den Tag mit einem spannenden „Deep Dive“ in die Welt der katalanischen Schaumweine. Ihre Reise durch Rebsorten wie Xarel·lo, Macabeo und Parellada offenbarte nicht nur ungeahnte Aromenwelten, sondern auch, wie weit der ökologische Gedanke in dieser Region bereits verankert ist. Über die Hälfte der Anbauflächen sind als Bioweinberge zertifiziert. Ein erfrischender Auftakt mit Substanz und Perspektive.


Im Anschluss nahm Marc Almert das Publikum mit auf eine Reise durch autochtone Rebsorten aus Österreich – abseits des bekannten Rebsortenspektrums. Mit sicherem Gespür für Stilistik und Potenzial präsentierte er spannende Entdeckungen, die zeigen, wie viel Unbekanntes noch zu heben ist. Almerts Auswahl bewies einmal mehr: Wer sich für Herkunft interessiert, muss auch den Nebenschauplätzen Aufmerksamkeit schenken.
Christina Hilker widmete sich in ihrem Vortrag der Lagenprofilierung Rheinhessens. Anhand überzeugender Beispiele zeigte sie, wie über Terroir und die stilistische Ausformung von Wein eine Region nicht nur geschmacklich, sondern auch kommunikativ positioniert werden kann. Herkunft wird so zum verlässlichen Qualitätsversprechen – transparent, nachvollziehbar und konsequent.


Ein weiteres Highlight kam mit Sarah Pugnale, die das Weingut Brancaia präsentierte – ein Schweizer Erfolgsmodell in der Toskana. Pugnale zeigte, wie modern interpretierte Frische, klar strukturiertes Branding und mutige Preisstrategien in einem konsistenten Gesamtbild zusammenlaufen können. Brancaia überzeugt durch ein reduziertes Sortiment mit hohem Wiedererkennungswert, durch biologische Bewirtschaftung und ein konsequentes Qualitätsdenken – auch bei Produkten wie Olivenöl, Gin und Grappa.
Maximilian Wilm schließlich führte die Teilnehmenden in die Welt des Franciacorta Gebietes – Italiens Antwort auf die Champagne. Wilm präsentierte die wichtigsten Merkmale dieser DOCG-Region, die ausschließlich Schaumwein nach traditioneller Methode produziert. Besonders einprägsam: Die Rebsortenbasis mit rund 80 Prozent Chardonnay sowie Pinot Noir, Pinot Bianco und der alten Sorte Erbamat, die zunehmend an Bedeutung gewinnt.


Zum Abschluss des Fortbildungstages widmete sich Yvonne Heistermann noch einem echten Hidden Champion: den vulkanischen Wein- bergen Ungarns. Unter dem Titel „Hungary Rocks“ brachte sie den Teilnehmenden eine noch weitgehend unterschätzte Weinwelt näher – mit charakterstarken Tropfen, einzigartigem Terroir und einer Vielzahl neuer Eindrücke. Ein gelungener Schlusspunkt für ein Programm, das Neugier weckte, Horizonte öffnete und Lust machte auf mehr.

